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Ich konnte nicht glauben, was ich da gerade hörte. Es war die Stimme meines strengen, missbilligenden Vaters, der die Worte aussprach, nach denen ich mich so viele Jahre gesehnt hatte:
„Mein Sohn, ich liebe dich. Alles wird gut werden.“
 Es war 1972. Wegen einer Überdosis LSD lag ich in einem halb- komatösen Zustand in einem Krankenhausbett im Daytona Beach, Florida . Mein Vater wiegte mich in seinen Armen und ließ seine Finger durch meine schulterlangen Haare gleiten und sagte mir, seinem missratenen, rebellierenden Sohn immer wieder, dass er mich wirklich liebte.
Das geschieht jetzt nicht wirklich, dachte ich bei mir, als ich dem schwachen Piepen der medizinischen Geräte lauschte. Mein Vater erzählte mir gerade, dass er mich liebte! Der gleiche übermächtige Vater, der, zwei Jahre zuvor, mich auf den Fußboden in unserem Haus gestoßen hat, eine Schere ergriff und mir die Hippie- Haare gewaltsam abgeschnitten hat, nachdem er mir erklärt hatte, dass ich eine Schande für die Familie sei. Jetzt flüsterte er mit gerade zärtliche Worte über Liebe, Verzeihen und Annahme zu. Auch wenn ich mich in einem durch Drogen verursachten Dämmerzustand befand, sanken seine Wörter tief in meine Seele hinein.
„Mein Sohn, ich liebe dich.“
 
Als Junge hatte ich mich nach Annahme und Zuneigung meines Vaters gesehnt. Nichts wünschte ich mir mehr, als dass er mich anlächelte oder mir sagen würde, dass er stolz darüber sei, mein Vater zu sein. Aber immer wenn ich mein Herz öffnete, um seine Liebe zu empfangen, blieb ich leer und enttäuscht zurück. Ich war jetzt 19 Jahre alt, und konnte mich doch an keinen Moment erinnern, wo mich mein Vater so fest im Arm gehalten hätte oder solche Worte zu mir gesagt hätte. Als Ergebnis dieser Ablehnung, die ich fühlte, hatte ich aufgehört Sohn meines Vaters zu sein und wollte ihn nie wieder sehen.
Wie so viele Männer seiner Zeit, wusste mein Vater nicht, wie er seinen Gefühlen Ausdruck verleihen könnte. Er war ein guter Mann und wäre für mich gestorben, aber für ihn war das Zeigen von Gefühlen ein Zeichen für Schwäche. Weil er während der großen Wirtschaftskrise aufgewachsen war und in einem vaterlosen Zuhause gelebt hat, errichtete er eine Festung um sein Herz, um sich selber vor Schmerz zu schützen. Dann ging er in den Krieg und wurde noch geschickter im Erlernen von Überlebensregeln. Später drückte er seine Liebe einfach dadurch aus, dass er finanziell für seine Familie sorgte und seine zwei Söhne lehrte, in einer gnadenlosen Welt zu überleben.
Er erzählte mir immer: „Sei niemals schwach, indem Du Gefühle oder Tränen zeigst. Sei hart, sei ein Mann!“
Jahrelang hatte ich erfolglos versucht, der harte Mann zu sein, den sich mein Vater wünschte. Doch jetzt, wo ich im Krankenhausbett lag in einer Zeit totalen Misserfolgs und nach so gravierenden Fehlern, da hielt mich Vater in seinen Armen und zeigte mir seine Liebe. Er war sich nicht bewusst, dass ich seine Stimme hören konnte oder dass ich seine Arme um mich spüren konnte. Ich war bereit gewesen aufzuhören, der Sohn meines Vaters zu sein, aber mein Vater war nicht bereit damit aufzuhören, mein Vater zu sein. Seine Bindung zu mir war größer als meine Beziehung zu ihm.
Das war möglicherweise mein erster flüchtiger Blick auf die bedingungslose Liebe des himmlischen Vaters und auf Seinen Wunsch, seine Zuneigung zu mir auszudrücken, auch wenn ich so erbärmlich versagt und gefehlt hatte. Es sollte noch einige Jahre dauern, bevor ich den ersten Schritt unternehmen würde, um diese erstaunliche Liebe zu empfangen.